Informationen für unmittelbar Betroffene und Bezugspersonen
(z. B. Eltern, Pflegeeltern, Geschwister, LehrerInnen, ErzieherInnen)

 

Was ist sexuelle Gewalt?

Aus: Selma: Ein Computer-Adventure aus dem richtigen Leben.
Begleitheft zur CD-Rom. Ruhnmark 1996:

"Sexueller Mißbrauch ist immer dann gegeben, wenn ein Erwachsener ein Mädchen oder einen Jungen als Objekt eigener sexueller Bedürfnisse benutzt. Kinder und Jugendliche sind nicht in der Lage, sexuellen Beziehungen zu Erwachsenen wissentlich zuzustimmen. Ihr Kenntnisstand und ihre gefühlsmäßige Entwicklung läßt das nicht zu. Auch wenn ein Mädchen oder ein Junge sich scheinbar aktiv beteiligt, liegt die Verantwortung für die sexuelle Tat immer beim Erwachsenen."

 
Wo fängt sexuelle Gewalt an?

Sexueller Mißbrauch an Kindern fängt bei heimlichen, vorsichtigen Berührungen, verletzenden Redensarten und Blicken an; er reicht über Kinderpornographie bis hin zur oralen, vaginalen oder analen Vergewaltigung. In vielen Fällen, gerade bei sexuellem Mißbrauch innerhalb der eigenen Familie, ist es für Außenstehende schwierig, die Grenze zwischen liebevoller Zärtlichkeit und sexuellen Übergriffen zu bestimmen. Entscheidend sind die Normen, die in einer Familie herrschen und die Gefühle des Kindes in der jeweiligen Situation.

 
Wer sind die Täter?

Zwischen dem Täter und dem Opfer besteht fast immer eine persönliche Beziehung, die für das Kind durch Vertrauen, Abhängigkeit und Zuneigung gekennzeichnet ist. Täter kann z. B. der Vater, die Mutter, der Onkel, der ältere Bruder, der Lehrer, der Erzieher, der Stiefvater sein. Die Beziehung zwischen Täter und Opfer ist - etwa durch Verwandtschaft - von vornherein vorhanden, oder sie wird vom Täter aufgebaut und bildet dann die Ausgangsbasis für sexuelle Übergriffe. In wenigen Fällen ist der Täter ein vollkommen Fremder.

Entsprechend der Machtverteilung, die in unserer Gesellschaft zwischen den Geschlechtern besteht, sind die meisten Täter männlich und die meisten Opfer weiblich.

 
Welche Folgen hat sexuelle Gewalt?

In Form von einseitiger Sensationsberichterstattung wird die Öffentlichkeit über auffällige Folgen von sexueller Gewalterfahrung in der Kindheit informiert, z. B. Drogenabhängigkeit, Prostitution, Selbstmordversuche usw. Man erfährt aber zuwenig über andere, eher verborgene, psychische Folgen.

In allen Schilderungen betroffener Mädchen finden sich Gefühle von Vetrauensverlust, Sprachlosigkeit, Zweifel an der eigenen Wahrnehmung, Schuld und Scham, Ohnmacht und Angst. Als Reaktion wenden Mädchen, Gewalt eher gegen sich selbst als gegen andere an. Dies zeigt sich beispielsweise durch Rückzug und Schweigen, Lügen, Selbstverletzung, Eßstörungen, geringes Selbstbewußtsein.
Wie die Gewalterfahrung verarbeitet werden kann, hängt von vielen Einzelfaktoren ab, vor allem aber vom sozialen Umfeld des Mädchens (oder des Jungen, Anm. ZISSG).
Eine erste Hürde für das Mädchen (oder den Jungen, Anm. ZISSG) ist es, ihre Sprachlosigkeit zu überwinden und sich mitzuteilen. Denn oft nimmt der Täter ihr das Versprechen ab, die Tat als Geheimnis zu wahren, und setzt das Mädchen (oder den Jungen, Anm. ZISSG) unter Druck.
Die zweite Hürde ist das mangelnde Vertrauen Erwachsener Kindern gegenüber. Untersuchungen zufolge muß ein Mädchen im Durchschnitt sieben Erwachsenen von ihrem Leid erzählen, bis ihr einer glaubt.
Häufig wachsen die betroffenen Kinder und Jugendlichen in einer Atmosphäre diktatorischer Hierarchie und Isolation auf. Erwachsene geben ihnen Befehle und sprechen Drohungen aus, damit sie diese auch befolgen. Aus Angst vor den angedrohten Strafen beugen sich die Kinder und Jugendlichen den Anordnungen - zu ihrem eigenen Schutz. Die Täter versuchen die von ihnen mißbrauchten Kinder zu isolieren, damit sie ja kein Vertrauen zu anderen Menschen fassen und jemandem von ihren Gewalterfahrungen berichten können. (...) Um sich zu informieren, wie sie aus dem Teufelskreis ausbrechen können, brauchen sie nicht nur Mut, sondern auch aufmerksame Freundinnen und Freunde. Die müssen ihre Hilferufe erkennen, ihnen glauben und auch mutig genug sein, mit ihnen gemeinsam den Weg zur Freiheit zu gehen."
Anmerkung von ZISSG: Betroffene von sexueller Gewalt sind Kinder aller sozialer Schichten und aller Altersgruppen, auch Kleinkinder und Säuglinge. Und sexueller Missbrauch findet in allen gesellschaftlichen Bereichen statt.

Dazu aus der Broschüre des Stadtjugendamtes München: Sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Jungen, Informationen und Adressen, Stand Mai 2000:
"Sexuelle Gewalt ist nicht nur körperliche Misshandlung. Beim Kind/Jugendlichen entstehen auch starke seelische Beeinträchtigungen. Die Angst, das Gefühl der Verlassenheit, ein gestörtes Gefühl zum eigenen Körper, das zerbrochene Vertrauen, Schuld- und Schamgefühle können das ganze Leben andauern.
Sexuelle Gewalt beeinträchtigt nicht nur das Leben des betroffenen Kindes, sondern auch die Menschen seines engsten Umfeldes.
Die Verantwortung für die sexuelle Gewaltausübung trägt immer der Erwachsene, unabhängig vom Alter und dem Verhalten des Mädchens oder Jungen.
Wenn Kinder über sexuelle Übergriffe sprechen, sagen sie die Wahrheit. Sie müssen starke Scham- und Schuldgefühle überwinden, ehe sie sich jemandem anvertrauen."

 
Wohin kann ich mich wenden? ... (Information, Beratung, Unterstützung)

... wenn ich sexuelle Gewalterfahrung gemacht habe

... wenn ich mich in einer Gewaltsituation befinde

... wenn ich von sexueller Gewalt weiss oder darüber informiert werde

Es gibt mittlerweile eine Reihe von Anlauf- und Beratungsstellen, bei denen Sie Beratung und Hilfe finden können. Hier einige Hinweise, wie Sie diese Stellen erreichen!
Bei den örtlichen Gleichstellungsstellen und Jugendämtern können Sie die Adresse der nächstgelegenen, für Sie geeigneten Beratungsstelle erfahren. Beide finden Sie im Telefonbuch unter der Rubrik Stadtverwaltung oder Kreisverwaltung.

Unter Stadt... oder Kreis...

  • Frauenamt/Frauenbüro
  • Frauenhaus
  • Frauenbeauftragte
  • Frauen- und Kinderschutzhaus für mißhandelte Frauen und Kinder
  • Beratung und Hilfe für Frauen
  • Gleichstellungsbeauftragte
  • Gleichstellungsstelle
  • Allgemeiner Sozialer Dienst
  • Jugendamt (Amt für Jugend und Familie)
  • Jugendschutz
  • Kinderschutz

Beim Jugendamt erfahren Sie nicht nur Adressen von Beratungsstellen, oft kann Ihnen das Jugendamt auch selbst helfen. Sprechen Sie mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, auf Wunsch auch anonym. Viele Städte haben auch eine Erziehungsberatungsstelle, die Sie ebenfalls unter der Rubrik "Stadt" finden.
Vielleicht gibt es auch in Ihrer oder in der nächstgrößeren Stadt eine Beratungsstelle, die ganz speziell zum Problem des sexuellen Mißbrauchs Unterstützung anbietet. Manche dieser Stellen betreuen Frauen und Mädchen, andere beziehen auch Jungen mit ein. Es gibt auch Beratungsstellen für Jungen und Männer, die Opfer von sexueller Gewalt sind oder waren. Schauen Sie im Telefonbuch nach unter folgenden Stichwörtern:

  • Anlauf- und Beratungsstelle für Mädchen und Frauen...
  • Beratungsstelle für Frauen und Mädchen ...
  • Beratungsstelle für Jungen und Männer...
  • Frauenberatungsstelle
  • Frauen helfen Frauen
  • Frauen-Notruf
  • Frauenzentrum
  • Frauengesundheitszentrum
  • Kontakt- und Informationsstelle gegen sexuellen Mißbrauch
  • Mädchenberatung/Mädchenhaus/Mädchentreff/Mädchenzentrum/Mädchenarbeit
  • Männerberatungsstelle
  • Männertelefon
  • Notruf
  • Verein gegen sexuelle Gewalt ..
  • Verein zur Prävention ...
  • Wildwasser
  • Zartbitter

Auch viele Stellen des Deutschen Kinderschutzbundes bieten Beratung bei sexuellem Mißbrauch:

  • Deutscher Kinderschutzbund
  • Kinderschutzambulanz
  • Kinderschutz-Zentrum
  • Sorgentelefon

Weitere verschiedene Stellen helfen Ihnen bei Fragen zum sexuellen Mißbrauch oder anderen Problemen:

  • Ärztliche Anlaufstelle (Beratungsstelle/Kontaktstelle)
  • Beratungsstelle für Eltern, Jugendliche und Kinder
  • Beratungsstelle für Erziehungsfragen
  • Beratungsstelle Gewalt in Familien
  • Erziehungsberatungsstelle
  • Evangelische Beratungsstelle
  • Katholische Beratungsstelle
  • Pro Familia
  • Psychologische Beratungsstelle
  • WEISSER RING (Info-Telefon rund um die Uhr: 01803-34 34 34)
  • Initiative Münchner Mädchenarbeit e.V. (IMMA)
  • AMYNA e.V. München, Projekt zur Prävetion von sexuellem Missbrauch, arbeitet bayern- und z. T. auch bundesweit (Adresse siehe Infopool - Adressen - Organisationen u. Verbände...)
  • Münchner Informationszentrum für Männer e.V. (MIM) (Adresse siehe Infopool - Adressen - Organisationen und Verbände...)
  • Kontakt-, Informations- und Beratungsstelle für männliche und weibliche Opfer sexueller Gewalt, München (kibs) im Alter von 10 - 21 Jahren (Adresse siehe Infopool - Adressen - Organisationen und Verbände..)
  • Netzwerk von und für Frauen und Mädchen mit Behinderung in Bayern (Adresse siehe Infopool - Adressen - Organisationen und Verbände)
  • siehe auch unter Infopool-Adressen

In jedem Polizeipräsidium in den bayerischen Regierungsbezirken gibt es eine Beauftragte für Frauen und Kinder, die Sie ebenfalls beraten und mit Ihnen weitere Schritte überlegen kann, auf Wunsch auch anonym. Die Namen und Telefon-Nummern finden Sie im Infopool unter Adressen.

Gegen eine Bearbeitungsgebühr können Sie eine Liste von Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen bestellen bei:

DONNA VITA Fachhandel
Postfach 5 / Post Husby
24973 Ruhnmark

Sie können sich auch an folgende Vereine und Organisationen wenden, die hilfreich für Sie sein können:

Adressen siehe Infopool-Adressen

Um möglichst praxisnah wirksam zu sein, wurde ZISSG in Zusammenarbeit mit FachexpertInnen in ausgewählten bayerischen Landkreisen und Städten entwickelt und erprobt. Dies waren die Städte bzw. Landkreise: Rosenheim, Günzburg, Neuburg-Schrobenhausen.

Folgende Einrichtungen arbeiten im Landkreis Rosenheim im Bereich "Prävention gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen":

Gleichstellungsstelle Stadt Rosenheim
Telefon: 08031/36 10 45
Telefax: 08031/36 20 43
e-mail: gleichstellung@rosenheim.de

Gleichstellungsstelle Landkreis Rosenheim
Telefon: 08031/392-548
Telefax: 08031/392-490

Weitere wichtige Anlaufadressen in Stadt und Landkreis Rosenheim zum Thema "Sexuelle Gewalt" (siehe auch unter Infopool - Adressen):

Amt für Kinder, Jugendliche und Familien, Allgemeiner Sozialdienst (ASD)
Tegernseestr. 16
83022 Rosenheim
Telefon +49 (0) 80 31 - 36 17 56
FAX +49 (0) 80 31 - 36 20 44
Ansprechpartner:
Herr Manfred Jahn; Telefon +49 (0) 80 31 - 36 14 67
Frau Veronika Wörndl; Telefon +49 (0) 80 31 - 36 14 76
Sprechzeiten: nach Vereinbarung
Zielgruppe: Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene, Erwachsene, Eltern
Angebot: Beratung von Menschen, die beruflich oder privat mit sexuellem Mißbrauch konfrontiert sind. Beratung und Hilfe für Kinder und Jugendliche, die von sexueller oder körperlicher Gewalt betroffen sind oder waren. Schutzmassnahmen bei körperlicher und sexueller Gewalt (z. B. Unterbringung). Anonyme Beratung ist möglich. Keine Anzeigenpflicht. Schweigepflicht/Vertraulichkeit. Zuständig nur für das Stadtgebiet Rosenheim.

Beauftragte für Frauen und Kinder im Polizeipräsidium Oberbayern
Kriminalhauptkommissarin Gertraud Goßmann
Kaiserstr. 32
83022 Rosenheim
Telefon 08031/200-555
Telefax 08031/200-409

Die Adressen der Beauftragten für Frauen und Kinder in den anderen bayerischen Regierungsbezirken finden Sie unter Infopool - Adressen - Anlaufstellen in ausgewählten Landkreisen

Behindertenbeauftragte von Stadt und Landkreis Rosenheim
Stadt Rosenheim: Sabine Richter zu erfragen über Sozialamt der Stadt Rosenheim
Telefon: 08031/36 14 80
Landkreis Rosenheim: Anita Knochner, Veilchenweg 7, 83109 Großkarolinenfeld
Telefon: 08031/55 05, Handy: 0171/536 71 66

Beratungsstelle des Kinderschutzbundes zum Thema Sexueller Missbrauch bei Kindern
Färberstr. 11, 83022 Rosenheim
Telefon: 08031/169 69
Telefax: 08031/167 56

Erziehungsberatungsstelle der Caritas Rosenheim
Herr H.-D. Kölbl, Dipl. Psych., Frau S. Prentl, Dipl. Sozialpädagogin (FH)
Reichenbachstr. 3, 83022 Rosenheim
Telefon +49 (0) 8031 - 20 37 40
Sprechzeiten von Montag bis Freitag von 8.00 bis 13.00 Uhr, Termine nach telef. Vereinbarung

Frauenhaus Rosenheim
Postfach 100 755, 883007 Rosenheim
Telefon 08031/38 14 78
Träger: Sozialdienst Katholischer Frauen e. V., Prien

Frauen- und Mädchennotruf Rosenheim e. V.
Aisinger Str. 81
83026 Rosenheim
Telefon +49 (0) 80 31 - 26 88 88
Internet-Adresse: http://www.frauennotruf-ro.de
Bürozeiten: Mo.-Fr. 9.00 - 12.00, Di. 14.00 - 17.00 Uhr
Angebot: Prävention, Beratung und Öffentlichkeitsarbeit
Prävention:
i. S. von Projektarbeit an versch. Schulen (auch Förderschulen), Kindergärten u. a. päd. Einrichtungen, dazu Vorgespräche mit Eltern und Schule; Elternabende für Eltern von Schulanfängern; Fortbildungsveranstaltungen für LehrerInnen;
Durch Prävention und Öffentlichkeitsarbeit wird versucht, Frauen und Mädchen zu stärken.
Beratung: Beratungsstelle für Frauen und Mädchen, die Opfer von Gewalt durch Männer sind. Hilfe bei körperlicher und seelischer Mißhandlung, Vergewaltigung, sexuellem Mißbrauch, sexueller Nötigung und sexueller Belästigung am Arbeitsplatz.
Beratungen und Begleitungen sind kostenlos und auf Wunsch anonym.

Kinderschutzbund Kreisverband Rosenheim
Färberstr. 19, 83022 Rosenheim
Telefon 08031/129 29 oder 38 03 17
Telefax 08031/167 56

Kinder- und Jugendtelefon
0800/111 03 33
Montag 15.00 bis 19.00
Auch während der Ferien möglich!

Landratsamt Rosenheim, Kreisjugendamt, Allgemeiner Sozialdienst
Hausanschrift: Pichlmayrstr. 21, 83024 Rosenheim
AnsprechpartnerInnen:
Frau Schlüter - Telefon +49 (0) 80 31 - 39 25 15
Herr Schroll - Telefon +49 (0) 80 31 - 39 25 17
FAX: Telefon +49 (0) 80 31 - 39 25 00
Sprechzeiten nach Vereinbarung
Angebot: wie Stadtjugendamt Rosenheim, siehe oben
zuständig nur fürden Landkreis Rosenheim.



Stadt und Landkreis Günzburg


Psychologische Beratungsstelle
Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung
Fachstelle Hilfe bei sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen
Frau Marion Wegmann, Systemische Familientherapeutin DSF, Supervisorin
Reinertstrasse 10
89312 Günzburg
Anmeldezeiten: Montag bis Freitag von 8.00 bis 12.00 Uhr
Telefonische Präsenz Frau Wegmann: Dienstag und Mittwoch von 13.30 bis 14.30 Uhr
Telefon: 0 82 21 / 31 0 78, FAX: 0 82 21 / 25 16 66
Angebote:
- Beratung und Hilfe für betroffene Kinder, Jugendliche und deren Angehörige
- Arbeit mit jugendlichen Tätern (nach Theorie und prakt. Methodik von Ruud Bullens)
- Prävention in Form von Elternarbenden und weiterführenden Seminaren für interessierte Eltern in Kindergärten; MultiplikatorInnenarbeit in Form von Fortbildung für ErzieherInnen und LehrerInnen im Landkreis Günzburg

Ambulante Therapie von erwachsenen Opfern sexueller Gewalt
Dr. Volker Bell

Psychologischer Pschotherapeut, Paar- und Sexualtherapie
Mitglied des Arbeitskreises "Sexueller Mißbrauch" für den Raum Günzburg
Bezirkskrankenhaus Günzburg
Ludwig-Heilmeyer-Str. 2
89312 Günzburg
Telefon: 0 82 21 / 96-24 23, FAX: 0 82 21 / 96-27 38

Staatlich anerkannte Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen, Sozialdienst kath. Frauen Landesstelle Bayern e. V., Neu-Ulm
Schützenstr. 22, 89231 Neu-Ulm
Telefon: 0 7 31 / 86 133, FAX: 0 7 31 / 86 311
Aussensprechtage in Günzburg (telefonisch über Neu-Ulm)


Landkreis Neuburg a. d. Donau - Schrobenhausen. Hier gibt es seit 02.11.2000 eine neue Fachstelle gegen sexuelle Gewalt des Landkreises Neuburg-Schrobenhausen.

Fachstelle gegen sexuelle Gewalt des Landkreises Neuburg-Schrobenhausen
Frau Sperber-Nusch
Müller-Gnadenegg-Weg 1, 1. Stock, Zimmer 19, 86633 Neuburg a. d. Donau
e-Mail: fachstelle@neusob.de

Telefon 08431 / 64 23 50 8 (Direktdurchwahl zu Frau Sperber-Nusch)
Telefonzeiten: Dienstag: 9 - 13 Uhr, Mittwoch: 15 - 19 Uhr
Persönliche Termine können telefonisch vereinbart werden. Jede Beratung erfolgt vertraulich und kostenlos.
Angebote der Fachstelle:
Anlaufstelle für Betroffene von sexueller Gewalt jeden Alters: Kinder, Jugendliche und Erwachsene beiderlei Geschlechts. Beratung über angemessene Schritte und Hilfe werden gemeinsam mit den Betroffenen gefunden.
Anlaufstelle für Pesonen, die Vermutungen aufgrund von Beobachtungen haben über sexuelle Gewalt in ihrem beruflichen und privaten Umfeld und sich die Frage stellen, was sie tun können.
Information zu Vernetzungseinrichtungen im Landkreis im Bereich sexuelle Gewalt.
Der Infopool zu Literatur, Supervision .... ist im Aufbau.

Siehe auch Infopool - Adressen - Suche nach Einrichtungen und Personen

  • Was können Sie da erfahren?
  • Welche Unterstützung können Sie erwarten?
  • Welche Befugnisse hat diese Institution?

    z. B. beim Amt für Kinder, Jugendliche und Familien, Allgemeiner Sozialdienst (ASD) in Rosenheim (Adresse s. oben) = Jugendamt
    Beratung von Menschen, die beruflich oder privat mit sexuellem Mißbrauch konfrontiert sind
    Schtuzmaßnahmen bei körperlicher und sexueller Gewalt (z. B. Unterbringung)
    Beratung und Hilfe für Kinder und Jugendliche, die von sexueller oder körperlicher Gewalt betroffen sind oder waren
    Anonyme Beratung ist möglich, keine Anzeigenpflicht, Schweigepflicht/Vertraulichkeit

    z. B. durch die Beauftragte der Polizei für Frauen und Kinder in Rosenheim, Adresse siehe oben
    Information und Unterstützung
    bei Gewalttaten im sozialen Nahraum (Gewalt in der Familie, in familienähnlichen Beziehungen und in Trennungssituationen)
    bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, durch die Frauen oder Kinder gefährdet oder bereits verletzt worden sind
    Aufklärung über Ermittlungsverfahren
    Aufklärung über Rechte im Strafverfahren
    , z. B. Nebenklage, Opferentschädigungsgesetz
    Hinweise zu Art und Ausmaß der Gewalt
    Tipps zur Vorbeugung
    Information über Beratungsstellen
    Es besteht die Möglichkeit, sich anonym telefonisch beraten zu lassen
    Hinweis: Die Beauftragte der Polizei für Frauen und Kinder ist sowohl vorbeugend als auch strafverfolgend tätig.
 
Wie kann ich mich/mein Kind vor sexueller Gewalt schützen?

Aus: Landeshauptstadt München, Sozialreferat, Stadtjugendamt: Sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Jungen. Informationen und Adressen. 1998.

Sie als Eltern, Erzieherin und Erzieher können das Kind darin stärken, seinen eigenen Wünschen und Gefühlen zu vertrauen. Beachten Sie den Wunsch des Kindes nach Zärtlichkeit und Nähe. Respektieren Sie genauso die von ihm gewollte Distanz. Ist Ihr Kind seiner Gefühle sicher, kann es Situationen erkennen, in denen es gefühlsmäßig oder sexuell ausgenützt wird. Ein selbstsicheres Kind kann leichter seine Kräfte mobilisieren, um Gefahren abzuwehren und sich Hilfe zu holen.

Für das tägliche Miteinander in der Familie und bei Gesprächen mit Ihren Kindern können Ihnen folgende Hinweise und Botschaften behilflich sein:

"Du darfst bestimmen, wie, wann, wo und von wem Du angefaßt werden willst. Du hast das Recht, 'Nein' zu sagen, zu allen, die Dich auf eine Art berühren, die Dir nicht gefällt. Du hast das Recht darauf, alleine zu baden oder zu schlafen. Wenn irgend jemand von Dir angefaßt werden will oder Dich in einer Art anfaßt, die Dir nicht gefällt oder Dir Angst macht, dann darfst Du Dich dagegen wehren. Dein Körper gehört Dir, Du bist wichtig!"

"Berührungen sind für jeden Menschen wichtig. Liebevolle, angenehme und zärtliche Berührungen fühlen sich gut an. Einige Berührungen passen nicht zu Deinem Gefühl und sind irgendwie komisch, ohne daß Du sagen kannst, warum! Einige verwirren Dich, wie z. B. zu lange und zu feste Umarmungen. Manchmal nutzen Erwachsene Kinder aus: Sie wollen Dich berühren, ohne darauf zu achten, wie Du Dich fühlst. Es kann ein älterer Freund oder auch ein Verwandter sein, der Dich auf eine Art anfaßt, die für Dich nicht in Ordnung ist.
Andere haben nicht das Recht, ihre Hände unter Deine Kleider zu schieben oder Dich an Deiner Brust, Deiner Scheide, Deinem Penis oder Deinem Po zu berühren.
Zeige, wie Du Dich fühlst. Erzähle, wenn Du ängstlich, traurig, glücklich oder verunsichert bist. Deine Gefühle sind wichtig. Sie machen Dich einzigartig und Du kannst ihnen vertrauen."

"Es gibt Geheimnisse, die Spaß machen, z. B. Geburtstagsüberraschungen. Es gibt aber auch Geheimnisse, die Dir Bauchschmerzen oder unangenehme Gefühle bereiten. Sogar wenn Du versprochen hast, nichts zu erzählen: Solche 'schlechten' Geheimnisse darfst und sollst Du weitersagen.
Suche Dir einen Menschen, der Dir zuhört, glaubt und hilft."

Was können Sie tun, wenn Sie erfahren, daß ein Kind von sexueller Gewalt betroffen ist?

  • Stärken Sie den Mut des Kindes, über die erlebte Gewalt zu sprechen.
  • Glauben Sie dem Kind.
  • Vermitteln Sie dem Kind Geborgenheit und zeigen Sie ihm, daß Sie vorbehaltlos hinter ihm stehen.
  • Lassen Sie dem Kind Zeit und respektieren Sie seinen eventuellen Wunsch nach körperlicher Distanz und Ruhe.
  • Machen Sie dem Kind keine Vorwürfe.
  • Reagieren Sie besonnen. Besprechen Sie mit dem Kind die möglichen weiteren Schritte und Konsequenzen. Scheuen Sie sich nicht, sich mit dem Kind an eine Beratungsstelle zu wenden.

Vielleicht ahnen oder wissen Sie von einer sexuellen Gewalthandlung in Ihrer näheren Umgebung oder Sie sind selbst davon betroffen.

Wenn Sie dem Kind helfen, stellen sich Ihnen möglicherweise folgende Probleme:

  • Verletze ich einen anderen mir nahestehenden Menschen?
  • Schneide ich Beziehungen ab?
  • Stelle ich andere bloß?
  • Bringe ich meine Existenz oder die anderer in Gefahr?

Das Abwägen von Handlungsmöglichkeiten sowie das Lösen solcher Konflikte ist schwierig. Probleme dieser Art sollten Sie mit Personen Ihres Vertrauens besprechen. Bitte wenden Sie sich an eine Beratungsstelle in Ihrer Umgebung. Hier erhalten Sie Unterstützung und Hilfestellung. Siehe auch unter Infopool - Adressen - Suche nach Einrichtungen und Personen.

Das sollte Sie über die Rechtslage wissen: siehe hierzu ExpertInnen-Rechtslage

  • Selbsthilfemöglichkeiten - Hinweise über "Trainings" (siehe Infopool-Adressen)

Einige Einrichtungen bieten sogenannte Selbstverteidigungs-, Selbstbehauptungs-, Zivilcourage-, Anti-Gewalt-, Deeskalations- oder Konfliktbewältigungs- (Mediations-)Trainings an.

  • Mediation

Mediation beschäftigt sich mit Konfliktlösungen und solchen Strategien, um Konflikte sinnvoll einsetzen zu können.

  • Deeskalation

Ist eher die Kunst, eine ganz konkrete "angespannte" Situation zu entspannen, also z. B. einen Täter "zu begrenzen" und eine bereits gewalttätige Situation aufzulösen.

  • Zivilcourage

Beim Zivilcourage- oder Anti-Gewalt-Training geht es um ähnliches; jedoch sollen hier auch Möglichkeiten vermittelt werden, damit es gar nicht zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommt. Durch präventive vorbeugende Deeskalationsstrategien und das Erlernen von Techniken zum Umgang mit Konflikten und Gewalt soll dies erreicht werden.

Zivilcourage bedeutet immer, wenn möglich, selbst aktiv zu werden.

  • Selbstbehauptung

Bei den Selbstbehauptungskursen (ähnlich wie bei den Deeskalations- und Zivilcouragetrainings) geht es darum, sich für (Streß-)Situationen, in denen Aktivität gefragt ist, vorzubereiten.
Hierzu gehört es, sich mit Körpersprache und innerer Einstellung auseinanderzusetzen. Somit sind viel Selbsterfahrung und Rollenspiele wichtige Bestandteile solcher Kurse.
Bei den bisher genannten Trainings kommen Menschenkenntnis und Psychologie sowie Übungen zur Selbsterfahrung/Selbstwahrnehmung zum Einsatz. Ermöglicht wird darüber hinaus auch der Erwerb von Kompetenzen und Fähigkeiten des sinnvollen Streitens.

  • Selbstverteidigung

Selbstverteidigungskurse sind dann sinnvoll, wenn sie über einen längeren Zeitraum besucht werden, damit die einzelnen Griffe, Schläge usw. sowie sonstige Handlungsmöglichkeiten auch in Streßsituationen sicher ("blind") angewendet werden können.

Es empfiehlt sich, in jedem Fall solche Angebote zu wählen, die bereits längere Zeit erprobt sind und von erfahrenen Kursleitern durchgeführt werden.

Aus:Gewalt. Hingucken, einmischen, anzeigen. Tips und Adressen für Opfer, Zeugen und sonstige Betroffene in Bremen. Hrsg.: Gesundheitstreffpunkt (e. V.) West, Gröpelinger Heerstr. 120, 28 237 Bremen, S. 29 ff

"Selbstverteidigungskurse für Mädchen und junge Frauen mit Behinderungen sind eine grundlegende Möglichkeit für das Erlernen von Grenzsetzungen auf physischer und psychischer Ebene. (...) Selbstverteidung für Mädchen mit Behinderungen zu organisieren und durchzuführen, benötigt mehr Trainerinnen und kleinere Gruppen. Solche Kurse sind also teurer und brauchen mehr Zuschüsse. Doch Selbstverteidigungskurse dienen nicht dazu, den Mädchen und jungen Frauen die Verantwortung dafür zu übergeben, sich in allen Situationen selber wehren zu müssen. Die Einrichtung hat gleichzeitig ein Klima zu schaffen, daß es den Mädchen ermöglicht, die neu erworbenen Kenntnissse auch anzuwenden." (...) (Tina Kuhne 1999, S. 245)

Anbieter von Trainings sind im Infopool herauszulesen.

Fragen sie darüber hinaus bei der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle nach oder bei einer Beratungsstelle in Ihrer Stadt oder Landkreis. (vgl. Anlaufstellen)

 
Literatur, Medien und andere Arbeitshilfen

Broschüren für Pädagoginnen, Pädagogen und Eltern

  • Gegen sexuellen Mißbrauch an Mädchen und Jungen - ein Ratgeber für Mütter und Väter
    Hrsg.: Aktion Jugendschutz, Landesarbeitsstelle Bayern e. V.; München 1995 Broschüre 56 Seiten, DM 3,50, Staffelpeis.
  • Sexueller Mißbrauch - Was tun bei Verdacht? Ein Leitfaden für pädagogische Fachkräfte, die
    mit betroffenen Kindern und Jugendlichen konfrontiert sind.
    Hrsg.: Landesstelle Jugendschutz, Niedersachsen/Kinderschutzzentrum Hannover GmbH, Hannover 1995, Broschüre, 23 S., DM 3,-
  • Zwischen Verunsicherung und Engagement. Themenheft der Zeitschrift INFO-DIENST 1/1997 mit Beiträgen über Ansätze zur Verhinderung sexuellen Mißbrauchs, Kinderpornographie usw., sowie Erfahrungsberichten aus der Präventionsarbeit mit Mädchen und Jungen.
    Hrsg.: Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen; Hannover 1997, 24 S., DM 2,--

Vorstellung weiterer Literatur im Infopool

Auch hier werden weitere Eintragungen aufgrund von Befragungsergebnissen bei ExpertInnen und PraktikerInnen in den nächsten Wochen und Monaten folgen.
Bitte schicken Sie ein eMail an ZISSG, wenn Sie zum Thema "Wie kann ich mich/mein Kind vor sexueller Gewalt schützen" bewährte Erfahrungen und Ergebnisse haben
und dies der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen möchten. Danke.

 

letzte Aktualisierung: 03.12.02